3.11.2011 – “Ein alter Aufsatz”

Ich habe diesen Aufsatz anfang 2010 geschrieben und es ist wahrlich kein Meisterwerk und die Zusammenhänge mit Fallout sind minimal und meistens nicht korrekt. Ich glaube das war für eine Prüfung, bin mir aber nicht sicher. Feedback entweder in den Kommentaren oder auf Facebook. Falls welches kommt, auch wenn ich nichtmehr viel damit anfangen kann.

Gute Nacht!

 

 

 

 

Vault 101

“Mein Sohn, wenn du dies liest, werde ich bereits Tod sein. Dieser Brief ist mein Vermächtnis, meines bescheidenen Besitzes. Doch zuerst, möchte ich dir von dem Leben an der Oberfläche erzählen. Als ich und deine Mutter vor 60 Jahren in den Schutzbunker 101, dir wohl bekannt als Vault 101, zogen, waren wir noch Kinder. Am 30.10.2030 sahen wir ein letztes Mal die Sonne scheinen. Sie leuchtete rot, ein seltener Anblick. Bevor wir durch den Eingang des Vaults traten, zogen Wolken auf und es begann zu regnen. Regen. Was früher ein Segen war, war unser größter Feind geworden. Der radioaktive Regen, den alle fürchteten. Keiner war wirklich gesund, doch die Wissenschaftler sagten uns, das wir nach wenigen Jahrzehnten wieder an die Oberfläche konnten, als sie die dicken Stahltore mit einem Knopfdruck schlossen. Niemand aus Vault 101 sah danach jemals die Sonne wieder. Aufgrund der Überbevölkerung der Erde, brauchte man mehr Strom, Nahrungsmittel usw. . Wie du dir vorstellen kannst, mussten viele Menschen der Entwicklung weichen und waren gezwungen in große Städte zu ziehen, um den Platz freizumachen für Atomkraftwerke, Landwirtschaft und Testgelände. Da nicht alle Menschen an der Oberfläche Platz hatten, wurde beschlossen Bunker zu bauen. Bunker die sich selbst versorgen konnten. Bunker welche, abgeschnitten von der Außenwelt, Wissenschaftlern wie mir und deiner Mutter, Zeit geben sollten ungestört zu forschen. Die ersten Jahre ging alles gut. Man glaubte, wenn man die richtigen Ergebnisse erzielte, würden wir wieder ans Licht können. Keiner konnte klagen. Wir hatten freie Arbeitszeiten und durften selbst entscheiden, was wir erforschen wollten. Die Versorgung war durch künstliches Essen und Wasser aus dem Untergrund gesichert.

Als mein guter Freund und Kollege Dr. Phillips Ergebnisse zeigte und diese, wie jeden Tag, unserem Aufseher, übergab, wurde er am nächsten Morgen abgeholt. Man sagt, er durfte zurück an die warme Sonne, welche uns allen fehlte. In den nächsten Monaten arbeiteten alle noch härter als normal, doch keiner durfte gehen.

Die Sonne. Ihre kühle Wärme. Ich spüre sie immer noch auf meiner Haut. Wie sie mich wärmt und langsam bräunt. Hier unten regierte die Blässe. Die Kinder, die hier geboren wurden, bleiben blass. Sie hatten nie den Luxus, sich von der Sonne bräunen zu lassen. Sie waren verdammt, blass zu sein. Verdammt weiß zu sein. Doch du, du warst anders. Von Geburt an. Was hätte sie wohl dafür gegeben, dich aufwachsen zu sehen. Doch, wie du sicher weißt, starb sie kurz nach deiner Geburt. Sie war stark gläubig. Ich erinnere mich noch an ihr Lieblingspsalm: „Ich bin Alpha und Omega. Ich bin der Anfang und das Ende“. Und so gehe auch ich ihren Weg.

Ich möchte, das nun du, in meine Fußstapfen trittst. Ich habe lange gebraucht, doch nun fehlt nur ein klein wenig und… und du, mein Sohn, wirst frei sein. Als du schliefst war ich nicht untätig. Ich habe die Lüftungsschächte erkundet und eine Karte entworfen. Einige führen nach draußen, doch ich konnte nicht gehen. Ich war zu schwach, um den letzten Schritt zu nehmen. Mir fehlte der Mut, mich ins Unbekannte zu werfen. Doch so bin ich nun doch in das unbekannte Land des Todes getreten, ohne die Möglichkeit, zurückzukehren. Doch habe ich für dich alles bereit gemacht. Sobald du soweit bist, öffne meine Schublade. Du weißt, die mit dem Schloss vor. Zögere nicht, ich habe den Schlüssel nicht mehr. Versuche sie auf zumachen und nimm dir die Karte, die dort liegt. Dort sind alle Lüftungsschächte eingezeichnet und der Weg nach draußen. Sei kein Narr. Begib dich an die Oberfläche und erkunde die Welt! Wer weiß, was aus Mutter Erde geworden ist.”


William faltete nun den Brief seines Vaters zusammen und stecke ihn sich in seine Lederjacke. Er stand vom Bett auf und ging mit sicheren Schritten in Richtung des Schreibtisches, in dessen Schublade sich der Schlüssel zur Freiheit befand. Als er sich auf den Stuhl gesetzt hatte, äugte er das kleine, verschlossene Fach kurz. Er zögerte kurz, zog sein Knie an und trat mit voller Wucht dagegen. Der Stuhl rutschte zurück und der Tisch, mit einem lautem quietschen, nach vorne. Das Holz war stabil. Holz. Ein wertvoller Besitz war dieser Tisch. Kaum ein anderer Vault-Bewohner konnte sagen, das er Holz besaß. Und er wollte dieses.. Ding.. einfach so zerstören. William stand auf, griff an die Kanten des Tischen und warf ihn um. Die Schublade war nun mit dem Schloss nach oben und die verletzliche Unterseite lag offen vor ihm. Das dünne Brett gab nach und er stieß mit seinen Stiefeln durch. Er griff in das Loch und zog eine kleine, stählerne Schatulle heraus. Sie war stabil und lies sich nicht öffnen. Zugeschweißt. Er steckte sich auch dieses Objekt in die Tasche und machte sich auf, durch die kühlen Pfade des Vaults, zur Werkstatt. Er versuchte sich so unauffällig wie möglich den Weg durch die arbeitenden Mechaniker zu machen, doch selbst mit der Jacke seines Freundes Jack, welcher auch Mechaniker war, fiel er auf. Er war nicht so dreckig und hatte eine Brille. Er war Wissenschaftler. Kein Arbeiter.

Bei Jack angekommen grüßten sie sich mit einem kurzem Händedruck und er zeigte ihm das klein, eiserne Ding. Jack gab ihm mit einem Handzeichen zu verstehen das er mitkommen sollte. Er führte William in das innere der Werkstatt, wo hauptsächlich Feinarbeiten mit Lasern und Beta-Strahlung vorgenommen wurden. Sie gingen durch die Werkstatt und durch eine weitere Tür. Es sah aus wie ein Labor und ein Roboter, menschenähnlich, doch ohne Kopf und als Arm hatte er auf der rechten Seite einen hoch konzentrierten Laser und auf der linken einen ausfahrbaren Blendschutz für die empfindlichen menschlichen Augen. William kannte ihn. Kein Wunder. Er hatte ihn erfunden. Er galt als Genie. Mit seinem Alter verbrachte er Meisterwerke und viele wunderten sich, warum er nicht weggebracht wurde. Während er seine Schöpfung betrachtete, schlug Jack ein Buch auf und drehte es so, das William es lesen konnte. Darin stand: „Araniquoz ist ein Metall, welches durch eine chemische Verbindung erschaffen wird. Es ist eines der stabilsten Metalle die es gibt, doch gibt es Laser, welches auch dieses Metall durchbohren können“. Danach folgte eine Aufzählung der Chemikalien, welche man zur Herstellung benötigte.

Jack nahm sich das wunderbare Ding und führte William erneut durch eine Tür, wo er die Schatulle auf einen Sockel legte und, nachdem er die Hand weg nahm, sich eine Art Laserfangnetz drumherum lag. Es schmolz das Metall gleichmäßig weg, so das der Inhalt nicht beschädigt wurde. Über dem Netz erschien, per O²-Beamer, ein Timer. Vier Stunden. William drehte seine Uhr auf Zwölf Uhr, um dann um vier Uhr zurückzukehren. Er durfte es nicht verpassen.

Er winkte Jack zu, als er die Werkstatt verließ und die kühlen Gänge des Vaults erneut betrat. Er ging zur Arbeit. Aß zu Mittag. Wobei Mittag hieß, das er zuvor drei Stunden gearbeitet hatte. Hier unten spielte Zeit keine Rolle. Er arbeitete noch eine halbe Stunde und unter dem Vorwand sich nicht wohl zu fühlen, machte er sich auf um das Geheimnis der Schatulle zu lüften.

Erneut im Hinterraum der Werkstatt angekommen, sah er wie der Timer die letzten Sekunden abzählte und das Netz augenblicklich verschwand. Er griff hinein, nahm sich das unscheinbare Stück Papier und machte sich auf, bevor Jack kam. Keiner durfte dies sehen, nicht einmal sein bester Freund. Papier. Er hielt tatsächlich Papier in seiner Hand. Er konnte es selbst kaum fassen. Papier. Sein Vater erzählte ihm einmal, wie sie darauf gemalt hatten. Und es manchmal nach wenigen Strichen weggeworfen hatten. So verschwenderisch. William hatte noch nie auf einem Papier geschrieben, oder überhaupt einmal seine Hand zum schreiben benutzt. Er hatte ein paar mal seinen Vater beim tippen beobachtet, bevor alle Wissenschaftler einen Chip ins Nervenzentrum eingepflanzt bekamen um sofort alles auf dem Bildschirm angezeigt zu bekommen, an das sie dachten.

Im Schlafraum seines Vaters angekommen, stellte er den Tisch wieder auf seine vier Tischbeine und setzte sich auf den Drehstuhl. Er faltete das Papier auseinander und zum Vorschein kam eine detaillierte Karte des Lüftungsschachtssystems. Er sah wie der Anfang der Route direkt neben ihm war. Er nahm die Karte, zog seinen Kittel aus, seine Lederjacke zog an und steckte die Handschuhe in eine Innentasche der Jacke. Mit den Stiefeln, die er unter dem Bett seines Vaters gefunden hatte, fühlte er sich eines viel sicheren Standes und von ihm auf allen Wegen begleitet. Er nahm das Foto von ihm und seinem Vater vom zehnten Geburtstag aus dem Rahmen und zerriss es. Er hatte die kahle Umgebung satt. Und das war es, was auf dem Bild zu sehen war. Kühle Wände. Es machte ihn krank.

Er ging zum Lüftungsschacht, zog am Gitter, was sich sehr leicht herauslösen lies und kroch hinein. Er ging auf die Knie und krabbelte durch die Schächte. Er blickte immer wieder auf seine Karte, welche ihm den Weg weisen würden. Er war stundenlang unterwegs, doch er merkte es nicht. Er kannte keine Zeit. Unten war in den Gängen immer Licht. Kein Tag. Keine Nacht. Er kannte diese Begriffe nur aus Erzählungen. Stur bahnte er sich seinen Weg durch die Schächte.

Nach einem Tag reagierte seine Nase. Es roch fremd. Er krabbelte dem Geruch entgegen. Er sah ein Licht, eine Art sehr helle Lampe musste es sein. Es war nicht das übliche weiße Licht. Es war dunkler. Es sah so aus, wie die Funken, die in der Werkstatt noch ab und zu entstanden. Er stieß das Gitter weg. Er trat nach draußen. Die Sonne strahlte auf ihn herab. Er fühlte eine Wärme. Kam sie von der Sonne? Er sah nach oben. Große Stahlklumpen, mit Funken am Ende flogen umher. Er hatte es nie zuvor zu sehen. Doch er wusste nur eins.

Und so sprach er es aus: „Ich bin frei“.

 

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